Rum Verkostung am 28. Februar 2020, kommentiert von Albrecht Wirz

Am 28. Februar war es an der Zeit mit der ersten Rum Verkostung für dieses Jahr zu starten. Zur Begrüßung begannen wir wieder mit einem Destillat, das blind verkostet wurde, wobei die Gäste wieder rätseln konnten, worum es sich handelte. Die Meinungen reichten vom Whisky über Rum, bis hin zum Weinbrand.
In dem Glas befand sich ein Brandy. Genauer gesagt der Lepanto Solera Gran Reserva. Dieser feine Tropfen besteht aus mindestens 12 Jahre alten Brandys, die nach dem Solera Verfahren reiften.

Nachdem jeder sein Glas geleert hatte, ging es auch schon mit dem Rum weiter. Vorerst wurde ein bisschen etwas über die Geschichte von Rum, sowie dessen Unterschiede erzählt. Grundsätzlich ist Rum eine aus vergorenem Zuckerrohrsaft, -sirup oder Melasse hergestelltes Destillat mit einem Alkoholgehalt von mindestens 37,5 %vol. Die Geschichte reicht bis ins 5 Jahrhundert vor Christus zurück, als in Papua-Neuguinea erstmals Zuckerrohr als Wildwuchs entdeckt wurde. Im 17. Jahrhundert entstand Rum erstmalig als Abfallprodukt aus der Zuckerrohrindustrie. Es dauerte etwa bis zum 19. Jahrhundert, als erkannt wurde, dass der Rum ein echtes Genussmittel ist und damit sehr viel Geld verdient werden kann. Wie bereits erwähnt wird Rum aus Zuckerrohr beziehungsweise dessen Endprodukt hergestellt. Zuckerrohr wurde primär angebaut, um Zucker zu gewinnen. Er wird reihenweise über Stecklinge angebaut, wobei ca. 15.000 Stecklinge auf einen Hektar kommen. Nach nur 1 bis 2 Wochen treiben sie dann schon aus. Ab dem 9 Monat erfolgt die Ernte entweder von Hand oder mit Erntemaschinen. Insgesamt kann Zuckerrohr bis zu 20 Jahre alt werden. Die meisten Anbaugebiete befinden sich in der Karibik, Mittelamerika, USA und Südamerika. Darüber hinaus wird Rum jedoch auch in Indien und Australien hergestellt.

Nachdem nun die Ursprünge vom Rum geklärt waren, kamen wir auch schon zu dem ersten Rum an diesem Abend. Vor uns stand der La Mauny VSOP. Die Brennerei La Mauny befindet sich im Süden von Martinique und wurde 1749 gegründet. Sie gehört zu den wenigen Brennereien, die sämtliche Produktionsschritte auf dem eigenen Brennereigelände durchführen. Spezialisiert haben sie sich auf die Produktion von Rhum Agricole, also Rum dessen Basis frisch gepresster Zuckerrohrsaft ist. Das Besondere am Rhum Agricole ist, dass das Hinzufügen von Zutaten nicht erlaubt ist. Außerdem bekommen die Destillate ihre Farbgebung ausschließlich durch die Holzfässer, in denen sie gelagert werden. Der Mauny VSOP lagerte zu 60 % in französischen Barriquefässern und zu 40 % in Ex-Bourbon Fässern. Anschließend wurde er in Trinkstärke, mit einem Alkoholgehalt von
40 %vol. abgefüllt.

Im Bouquet hatte der VSOP Rhum Agricole angenehme fruchtige Noten mit Toffee und Eichenholz. Im Geschmack war dieser Mauny angenehm weich und cremig. Außerdem hatte er Noten von getrocknetem Obst, Eichenholz und frischem Zuckerrohr. Der Abgang war ebenfalls sehr weich und langanhaltend.

Nach diesem Einstieg standen nun zwei verschiedene Abfüllungen aus dem Hause Botucal auf dem Plan. Zum einen die Botucal Distillery Collection No. 1 und zum anderen die Botucal Distillery Collection No. 2. Der Botucal wird in Venezuela in der Destillerias Unidas S. A. produziert. Dieses Unternehmen wurde 1959 von Seagram gegründet und geführt. Neben Botucal wird dort auch Pampero und Cacique produziert. Die Destillerias Unidas ist die einzige Produktionsstätte in der Karibik, wo sowohl aus Getreide, als auch aus Melasse destilliert wird. Das Unternehmen besitzt 21 Lagerhallen mit insgesamt über 400.000 Fässern, wovon allein ca. 260.000 Fässer nur für Botucal sind. Die Botucal Distillery Collection No. 1 basiertauf “Virgin Sugar Cane Honey” (Zuckerrohrhonig), anstelle von Melasse.Destilliert wurde dieser Rum in einem über 50 Jahre alten Dampfkessel, wie er ursprünglich zur Produktion von American Whiskey verwendet wurde. Zur Lagerung wurde das Destillat in ehemaligen Bourbon- und Scotch-Fässer aus amerikanischer Weißeiche gefüllt.

Im Bouquet war die No. 1 sehr schön fruchtig, leicht süßlich, mit Noten von Wildblumen und Vanille. Auf der Zunge begegneten uns Noten von geröstetem Karamell, sowie rote Früchte und leichte Holz-Tannine. Der Abgang war sehr langanhaltend und lieblich.

Die Botucal Distillery Collection No. 2 basiert auf Melasse. Sie wurde in der Barbet-Kolonne destilliert, was einer über 50 Jahre alten Brennsäulen aus Frankreich entspricht. Durch dieses besondere Destillationsverfahren werden dem Rum angenehme Fruchtnoten verliehen. Auch diese Abfüllung lagerte einige Jahre in ehemaligen Bourbon- und Scotch-Fässern aus amerikanischer Weißeiche und wurde anschließend mit einem Alkoholgehalt von 47%vol. abgefüllt.

Im Bouquet war die Distillery Collection No. 2sehr ausbalanciert mit Noten von tropischen Früchten wie Mango oder Passionsfrucht und Eichennoten. Im Geschmack war dieser Rum eher trocken, mit intensiven Holznoten und einem Hauch von Zitrusaromen.

Nach diesen zwei edlen Tropfen ging es dann weiter mit Austrian Empire aus der Albert Michler Destillery. Diese wurde 1863 in Buchsdorf gegründet und bekannt durch ihren „Albert Michler`s Original Buchsdorfer Kräuterbitter“. Dieses österreichisch-schlesische Traditionsunternehmen importierte schon lange Rum aus der Karibik nach Europa und diente sogar als traditioneller Hoflieferant des Königsauses. Heutzutage befindet sich das Unternehmen in Bristol in England. Auf dem Verkostungsplan stand der Austrian Empire Navy Rum Double Cask Oloroso und der Austrian Empire Navy Rum Double Cask Cognac Cask. Der Oloroso Fass gefinishte Rum setzt sich aus den besten Rums der dominikanischen Republik zusammen. Er wurde in amerikanischen Weißeichenfässern gelagert, bevor er für 16 Monate sein Finish in alten Oloroso-Sherry Fässern erhielt.

Im Bouquet waren tropische Früchte, Eichenholz und Vanillenoten präsent. Beim Verkosten begegneten uns Noten von dunkler Schokolade, Trockenfrüchten, verschiedene Kräuter und eine dezente Süße. Der Abgang war langanhaltend und leicht bitter.
Im direkten Vergleich probierten wir nun auch das gleiche Destillat nur mit einem Finish im Cognac Fass, anstelle von dem Sherry Fass.
Dieser war im Bouquet ähnlich fruchtig, kombiniert mit leichter Vanille und intensivem Eichenholz. Im Geschmack war er angenehm süß mit Noten von reifen Trauben und Ahornsirup. Der Abgang war langanhaltend und würzig-süß.

Nun waren wir auch schon bei den letzten zwei Destillaten angekommen. In den Gläsern vor uns befanden sich nun zum einen der A.H. Riise Gold Medal und zum anderen der
A.H. Riise XO Sauternes Cask. Der Gründer Albert Heinrich Riise wurde 1810 in Dänemark geboren. Er war gelernter Apotheker und studierte ebenfalls Chemie und Botanik. Im Jahr 1838 reiste er auf die Insel Saint Thomas und bekam dort die Erlaubnis als Apotheker zu arbeiten und Alkohol herzustellen. Nach einiger Zeit konnte er sich für die Produktion von Rum begeistern und stieg in dieses Geschäft ein. Heutzutage wird der Rum immer noch in der Karibik produziert und abgefüllt.

Der Riise Gold Medal war im Bouquet angenehm süß mit Aromen von frischen Zitrusfrüchten, Orangen, Mandarinen, Zuckersirup, Honig und Karamell. Im Geschmack war er cremig weich auf der Zunge. Noten von verschiedenen Früchten, reifen Orangen, Rohrzucker, diversen Gewürzen, Eiche und etwas Tabak umhüllten die Geschmacksknospen. Der Nachhall war mittellang und sehr fruchtsüß.

Im direkten Vergleich probierten wir nun auch den X.O. Sauternes-Fass gelagerten Riise. Dieser war im Bouquet noch fruchtiger, mit Aromen von Honig, Aprikosen und Pfirsichblüten. Auf der Zunge war er vollmundig und samtweich. Mit einer intensiven Süße wurden die im Bouquet erahnten Noten bestätigt. Der Nachhall war langanhaltend lieblich, mit Noten von Vanille, Rosinen und Pfirsichen.

Mit diesem eleganten Rum neigte sich die Verkostung auch schon dem Ende. Wir haben wieder viele spannende Eindrücke aus der Rum Welt erleben und schmecken können. Wir hoffen, dass es allen Gästen gut gefallen hat und das der ein oder andere Rum eventuell auch Ihre Bar zuhause schmücken wird.

Vielen Dank und bis zum nächsten Mal

Familie Wirz

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